Rund 2 Millionen Besucher aus Nah und Fern kommen jedes Jahr in den Spreewald, eine in Mitteleuropa einzigartige Landschaft im Südosten Brandenburgs. Der besondere Reiz des Spreewaldes liegt in seinem weitverzweigten und unüberschaubaren Fließgewässersystem, die Spree teilt sich hier in etwa 300 verschiedene Wasserläufe, deren Gesamtlänge rund 1000 km beträgt. Die bezaubernde Ruhe und Schönheit ist es, die in den vielen Spreewaldbesuchern Begeisterung hervorruft und bleibende Eindrücke hinterlässt. Wer Ruhe und Erholung sucht, gleichzeitig aber auch aktiv sein möchte, wird immer wieder gern den Spreewald besuchen.

Die einzigartige Spreewaldlandschaft ist eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit. Der Oberspreewald ist ein Teil des Baruther Urstromtals, hier zog Schmelzwasser nach Westen ab und schwemmte Sand in das Urstromtal. An den Rändern der Schwemmsandflächen bildeten sich sogenannte Kaupen, kleine Erhöhungen auf denen sich später Streusiedlungen bildeten. Ein sehr geringes Gefälle ermöglichte es der Spree, sich in über 300 verschiedene Wasserarme zu teilen, es entstand das typische Fließlabyrinth des Spreewaldes als Einmaligkeit in Mitteleuropa. Die Niederung des Spreewaldes erstreckt sich über 75km Länge, in der Breite erreicht sie maximal 16km. Der 27000 Hektar große Gesamtspreewald teilt sich in Ober- und Unterspreewald, Grenze zwischen beiden ist bei Lübben. Der Oberspreewald ist der größere, bekanntere und am liebsten besuchteste Teil des Spreewaldes. Etwas weiter nördlich schließt sich der kleinere Unterspreewald an.

Seit 1990 ist der Spreewald als einmalige von Menschenhand geprägte Kulturlandschaft unter den Schutz eines Biosphärenreservates der UNESCO gestellt. Zum Schutz der Natur und zur schonenden Nutzung der Landschaft wurden vier verschiedene Schutzzonen eingerichtet: Zone 1 (Kernzone als Totalreservat), Zone 2 (Pufferzone), Zone 3 (Harmonische Kulturlandschaft) und Zone 4 (Regenerierungszone).

Der Spreewald ist ein Teil des Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden. Zu dieser in Deutschland noch lebenden slawischen Minderheit zählen sich heute noch etwa 60000 Leute. Im Zuge der Völkerwanderung im 6. Jahrhundert besiedelte dieser slawische Volksstamm auch das Gebiet der Lausitz. Heute leben Sorben/Wenden hauptsächlich noch in der Ober- und Niederlausitz. Auch wenn die sorbische/wendische Sprache nur noch selten zu hören ist, haben sich viele Bräuche und Traditionen bis in unsere Zeit erhalten, beispielsweise das Stollen- und Stoppelreiten, das Hahnrupfen, das Zampern und die sorbischen Osterbräuche wie Ostereiermalerei, Waleien und Osterwasserholen. Auf Orts- und Straßennamenschildern ist erkennbar, dass man sich im sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet befindet, denn die Ausschilderung erfolgt oftmals zweisprachig. Sehr sehenswert sind auch die bunt bestickten Trachten der Spreewaldfrauen, die oft an Festtagen oder während einer Kahnfahrt zu bewundern sind.

Im Spreewald ist alles vom Waser abhängig. Noch heute gibt es Gehöfte, welche nur auf dem Wasserwege per Kahn erreichbar sind. Nicht nur für den Fremdenverkehr ist der Kahn Transportmittel, auch für die Bauern und Bewohner ist er unverzichtbar. Heu, Vieh, und Gemüse werden per Kahn transportiert, sogar die Post, die Feuerwehr und die Müllabfuhr kommen im Spreewalddorf Lehde per Kahn.